Zusammenfassung:
BIBLIOTHEK DES ESTNISCHEN HISTORISCHEN ARCHIVS

Tatjana Shor

Die Bibliothek des Estnischen Historischen Archivs wurde im Jahre 1922 nach der Eröffnung des Archivs (damals unter dem Namen Estnisches Staatliches Zentralarchiv) als Handbibliothek gegründet. Den Kern der Sammlung bildeten 7500 Bände aus der Bibliothek der Estländischen Ritterschaft, in der die Quellen zur Geschichte Estlands gesammelt wurden und die heute noch anhand des Archivs der Estländischen Ritterschaft identifizierbar ist. Im Jahre 1932 umfaßte der Bestand der Bibliothek bereits ca 20 000 Bände in verschiedenen Sprachen aus dem 16. bis 20. Jh. und enthielt vor allem baltische historische Literatur und archivwissenschaftliche Werke.

Zu den Sondersammlungen, die bis zum Zweiten Weltkrieg erfaßt wurden, gehören neben der Ritterschaftsbibliothek eine Sammlung estnischer historischer Literatur und Werke zum Archivwesen, Bestände aus Amts- und Anstaltsbibliotheken, sowie Dissertationen und Universitätsschriften. In dieser Zeit erwarb die Bibliothek in größerem Umfang Bestände aus den Hausbibliotheken der deutschbaltischen Familien von Berg, Maydell, Middendorff, Oettingen, Seidlitz, Ungern-Sternberg u.a.

Die zwischen 1941-1944 in die Bibliothek inkorporierten modernen deutschen politischen und populärwissenschaftlichen Publikationen wurden während der sowjetischen Zeit - zusammen mit estnischen sowie russischen Werken der Emigration - als Sonderbestand unter Verschluß gehalten.

Seit 1975 widmet sich die Bibliothek dem Aufbau sprachlich, chronologisch oder fachlich bestimmter Spezialsammlungen. Dies betrifft Literatur bis 1944 und schließt Karten, Pläne, Noten u. a. ein.Gleichzeitig wurde der Bestand sowohl durch Ankauf, Schenkungen moderner historischer Werke als auch durch vielsprachige Privatsammlungen komplettiert. Dazu kommen die Personalbibliotheken von Aino Martin (1911-1984), Eduard Kubjas (1896-1983), Benita-Alica Labi (1911-1988), Theodor Künnapas (1902-1994).

Zur Zeit umfaßt der Bestand der Bibliothek etwa 200 000 Einheiten: Bücher, Gelegenheitsschriften, Zeitschriften, Zeitungen, Karten, Musikdrucke u. a. Heute dient die Archivbibliothek vor allem der Erforschung der Geschichte Estlands sowie des gesamten Baltikums und Nachbarländer.