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Zusammenfassung: Kalev Jaago Der Begriff der Vorstadt ist in Estland sehr breit. Unter dem Volk ist
die Vorstadt ein Lebensgebiet, das vom Zentrum getrennt liegt. Im Mittelalter
befanden sich die Vorstädte vor dem Stadtmauer und bei der Belagerungsgefahr
wurden sie gewöhnlich niedergebrannt, um den Gegner keine Standpunkte
beim Angriff der Stadt zu bieten. Der administrativ-juristische Inhalt
der Vorstadt existiert auf dem estnischen Gebiet praktisch nicht, weil
ihre Probleme vom Rat oder Stadtverwaltung entschieden wurden. Regelgemäß
wurden die Vorstädte als unwertvolle, doch als Lagerplatz für
die Ärmeren oder Neugekommenen notwendige Anhängsel der Stadt
angesehen. Ämtlich konnte man von den Vorstädten abgesonderte
Hypothekenbezirke bilden (Revaler Vorstädte, Pernauer Rawasaar) oder
sie abgesondert planen und differenziert besteuern. Die Vorstädte
haben die Eigenschaft mit der Stadt zusammenzuwachsen und Stadtteile zu
bilden, die Letzten können einen juristischen Status und sogar die
Selbständigkeit erreichen. Eben bei diesem Problem, z. B. Revaler
Nömme, bekommt das Thema der Vorstädte ihre Aktualität. Es fehlen die Angaben über die mittelalterliche Vorstadt Hapsals. Vermutlich konnte sie sich in Kaiserort befinden, das erstmalig im Jahr 1632 genannt wird, und in 18. Jh. gab es in Kaiserort die mehrfachste Besiedlung. Der älteste Name unter den späteren Vorstädten war Ranzal, das schon im Jahr 1294 genannt wird. Aus Mittelalter stammen die Namen Paralep, Koppel, Galgenberg, Nergenah und Loeberg. Im 18. Jh. kann in Hapsal von drei Vorstädten die Rede sein: Kaiserort,
Holm und Koppel. In der I. Hälfte des 19. Jh. kommen Loeberg, Kirchhof
und Ranzal hinzu. Die große Zahl der Vorstädte Hapsals wird durch die schwere Lage nach dem Livländischen Krieg, wenn die vormalige breite Stadtumgebung zwischen den umliegenden Güter eingeteilt wurde, und die Stadt nicht mehr naturgemäß wachsen konnte, begründet. Die zu den Stadtbewohnern drängenden Bauern und Handwerker sollten ihre Häuser auf die vom Zentrum weitliegenden Stadtgrundstücke bauen. Unmittelbar um die Stadt befanden sich die Felder der Güter Neuenhof und Weißenfeld, dorthin konnten nur die den entsprechenden Gütern unterliegenden Personen ihre Häuser errichten. Nach der Agrarreform im Jahr 1919 verschwanden die künstlichen Sperren der Hofsländer zwischen den Städten und Vorstädten, und die Stadt konnte auf ihrem ganzen Territorium die Bautätigkeit planen. Am Anfang der Estnischen Republik wuchsen die Vorstädte mit der Stadt zusammen, ämtlich wurde nur der Stadtteil Ranzal unterschieden. Unter dem Volk blieben die Namen der vormaligen Vorstädte länger erhalten, aber bis heute sind nur einige vorhanden: Bürgermeistersholm, Kälberholm, Alt-Hafensholm, Koppel als Straßenname, Paralep als Ortsname und Ranzal als der Name der vormaligen Mühle, Galgenberg steht unter dem Altertumsschutz. Zusammenfassend muß man die Dynamik und die Mobilität der Entwicklung der Vorstädte hervorheben. Die Entwicklung der Vorstadt ist gewöhnlich viel schneller als die des Zentrums. Die dem Schaffen der Vorstadt eigentümliche zeitweilige Bebauung ist unstabil. Im heutigen Hapsal kann man nur wenige Gebäude von der Anfangszeit der Vorstädte finden. Vielleicht ist am ständigsten die Fischerkolonie in Holm gewesen, die aber heutzutage zu einem Fischkombinat reduziert worden ist. Unterschiedlich zu den größeren Städten wurden in Hapsal die mehrstöckigen Mietkaserne nicht gebaut, weil es in Hapsal keine große Industriebetriebe gab, für deren Arbeiter hätte man in die Vorstädte Häuser bauen sollen. Im 18. Jh. und in der I. Hälfte des 19. Jh. stammte die Mehrheit von Vorstädtern aus Dagö und Nucko. Nach der Vergrößerung der Bewegefreiheit der Bauern wuchs die Zufuhr der Vorstädter aus den stadtumgrenzenden estnischen Kirchspielen, besonders aus dem Röthelschen Kirchspiel. Die Hochperiode der Entstehung und der Entwicklung der Vorstädte Hapsals war in den Jahren 1864-1913. Die Bevölkerungszahl Hapsals stieg in dieser Periode von 2294 bis 4100 und die Zahl der Gebäude von 369 bis 874. Zusammen mit den Vorstädten ging die verachtende Meinung der Stadtbürger zu den Neugekommenen. So hielten die Bewohner Hapsals den Gründer von Harmonie Gottlieb Ernst für Sonderling und Verrückten. Die Vorstädte waren die Pflanzstätte der Deutschtümelei. Während der Entstehungsperiode einer Vorstadt trug sie immer die seitens der Stadtbürger gegebenen verachtenden Spitznamen. So wurde im vorigen Jahrhundert die Vorstadt bei Schloßgarten Schelmendorf genannt, das Ende der Vorstadt Koppel war als Froschendorf und Wietnam bekannt. In Loemäe befand sich das Kongo-Schenke. Auf dem Großen Holm befand sich Kamtschatka - das Synonym der Weltgrenze. In Hapsal gibt es auch die Afrikanische Küste, die während ihrer Begründung wegen dortigen dschungelartigen Stroh so genannt wurde. Die Vorstadt bei Kirchhof war durch die Raufbolde bekannt. Heute kann man leicht in Diblagorsk durchgeprügelt werden. Die Vorstadt bei Galgenberg haben die Stadtbewohner fast das ganze 19. Jahrhundert mit der Müllniederlegung geehrt, bis die Bewohner Galgenbergs den Müllberg in die Vorstadt Stroy hinter den judischen Friedhof verdrängen konnten. Auf das Schloßfeld wurde im Jahr 1901 das Schlachthaus gebaut. Jetzt versucht man, die Industriebetriebe um die Lealsche Landstraße (in der Vorstadt Stroy) hinstellen. Vom Anfang der Estnischen Republik bis heute wird das Abwasser am Ende der Haava-Straße ins Meer geführt. Die als die Zusammentreffstelle des Lumpens bekannte Vorstadt konnte sich zu einer ansehnlichen Gartenstadt entwickeln. Das Vorhandensein der Vorstadt bedarf der Angewöhnungszeit der Stadtbürger. Nach dem Angewöhnen wurden die verachtenden Namen durch die wertvolleren ersetzt. So wurde von der Galgenberg-Straße die Mäe-Straße, aus der Schelmendorf-Straße die Grafen-Straße, aus der Schlachthaus-Straße die Niine-Straße. Einige vormalige Vorstädte haben während der Zeiten den Ruf bekommen, als ob sie unterschiedlich zu den anderen Stadtteilen eine wertvollere Lebensumgebung hätten. In den letzten Zeiten ist Kälberholm die Lieblingsstelle der vornehmen Menschen geworden. Während der Sowjetzeit wurde die Altstadt Hapsals ein unprestiges Modergebiet und man wollte in den Panelhäusern mit Gemütlichkeiten wohnen. Das erste Panelhaus in Hapsal, Lealsche Landstraße 7, wurde im Jahr 1964 auf das frühere Pastoratsfeld gebaut, wohin bis 1917 grundsätzlich kein Bauen erlaubt war. Zum Jahr 1960 war der während des Krieges dorthin gegründete Militärfriedhof vernichtet worden und nichts konnte das Bauen der Panelhäuser verhindern. Die gleichartige Masse der Panelgebäude hat die Eigentümlichkeit der vormaligen Vorstädte abgeschlifen, und es ist bedauerlich. |